Geläut

Das Glockengeläut
Glocken haben, weil man sie überall hört, etwas Verbindendes. Sie begleiten die Menschen von der Geburt bis zum Tod. Sie läuten das neue Jahr ein, rufen zu Gottesdienst und Gebet, schlagen die Stunden. Für die einen läuten die Hochzeitsglocken, für andere ertönt die Totenglocke.
Früher war die Bedeutung der Glocken noch viel wichtiger. Die Menschen richteten ihr Tageswerk nach dem Stundenschlag. Schon in den ersten Jahrhunderten trafen sich die Christen zu bestimmten Stunden morgens und abends zum Gebet, um zu Beginn des Tages oder nach getaner Arbeit Gott zu loben und zu danken. Die Glocken warnten vor Katastrophen und Krieg. 

Die Glocken der Pfarrkirche Menznau
Im Jahre 1931 wurden in der Glockengiesserei HAMM in Staad bei Rohrschach für die Pfarrei Menznau fünf Glocken gegossen. Das Geläute ist abgestimmt in den Tönen b, d, f, g, b („Salve Regina“-Motiv)
Die Glockenweihe fand am 27. September 1931 durch Bischof Dr. Josephus Ambühl statt. Die Glocken wurden am 2. Oktober 1931 durch die Schuljugend aufgezogen. Am Donnerstag, 8. Oktober 1931 wurden die Glocken zum ersten Mal geläutet.

>>das Glockengeläut der Pfarrkirche Menznau anhören
 


 
  Die grosse Glocke:
ist dem Kirchenpatron Johannes dem Täufer geweiht.
Inschrift:  „Zur Busse mahn ich Euch; zu Jesus führ` ich Euch“. 
„Dieser ist es, der nach mir kommen wird, der vor mir gewesen ist“. Joh. 1.27
Bilder: Christus als König / Johannes der Täufer
Gewicht: 2‘700 Kg
Durchmesser: 1,69 m

 
  II. Glocke:
ist dem hl. Johannes dem Evangelisten geweiht
Inschrift: „Die Liebe reiner Herzen, ein Trost in meinen Schmerzen“.
„Deines Mundes reiner Schall, an Jesu Herz ein Widerhall“.
Bilder: Abendmahl / Kreuzigungsgruppe
Gewicht: 1‘350 Kg
Durchmesser: 1,36 m
    III Glocke:
der hl. Katharina geweiht.
Inschrift: „Dass wahrer Weisheit wir uns weihen, stets Ohr und Herz der Wahrheit leihen: hilf uns hl. Katharina“.
Bilder: St. Theodul, Antonius der Einsiedler, Eulogius
Gewicht: 800 Kg
Durchmesser: 1.15 m

 

 
  IV. Glocke:
der hl. Barbara geweiht. (Wetterglocke)
Inschrift: „Vor Blitz und Ungewitter bewahre uns o Herr!“
„Zu frommem Leben und seligem Sterben hilf uns hl. Barbara!“
Gewicht: 550 Kg
Durchmesser: 1.02 m
    V. Glocke:
(kleinste) der Muttergottes geweiht (Taufglöcklein)
Inschrift: „Gegrüsst seist Du, Maria, voll der Gnaden“
Bild: Maria Verkündigung
Gewicht: 330 Kg
Durchmesser: 0.86 m
 

Gesamtgewicht der 5 Glocken: 5‘730 Kg


Die Läutordnung
Jede Glocke hat ihre Funktion, wird zu bestimmten Gelegenheiten geläutet, ruft zu einer bestimmten Gebetszeit oder einem besonderen Anlass. Entsprechend tragen sie einen Namen der oft ihrer liturgischen Funktion entspricht. Die Marien- oder Angelusglocke werden zum Beispiel für das Angelusläuten gebraucht. Für jedes Geläut gibt es eine Läutordnung.  


Die Läutordnung der Pfarrei Menznau:

Die Betglocke:   Morgens: 06.00 Uhr mit Glocke Nr. 4 
Abends: Sommer 20.00 Uhr, Winter: 18.00 Uhr
 
Mittagsglocken:   Werktags 12.00 Uhr, Glocke Nr. 2 
Sonntags: 12.00 Uhr, Glocke Nr.1
 
Vesperläuten:   Sommer: 17.00 Uhr 
Winter: 16.00 Uhr
 
Samstag:   14.00 Uhr Sonntag einläuten mit Glocke Nr. 1, 
17.00 Uhr Glocke Nr.  1 
17.54 Gesamtgeläut vor Gottesdienst
bei Heiliger Wandlung Glocke Nr. 3
 
Sonntag:   08.30 Uhr Glocke Nr.1, 
09.24 Gesamtgeläut vor Gottesdienst, 
bei Heiliger Wandlung Glocke Nr. 3
 
Werktagsgottesdienst:   30 Min. vor Gottesdienstbeginn, Glocke Nr. 3, 
5 Min. vor Gottesdienstbeginn, Glocke Nr. 5 + 4, 
bei Heiliger Wandlung Glocke Nr. 3
 
Taufe:   5 Min. vor Taufe Glocke Nr.5
 
Totenglocken:   Beim Bekanntwerden eines Todes in der Pfarrei wird mit der Barbaraglocke Nr. 4 ca. 2 Minuten eingeläutet,
anschliessend erfolgt für ca. 5 Minuten das Geläute aller Glocken.
 
Beerdigung:    30 Min. vor Beginn Glocken Nr. 5,4,3,2 (ohne Nr.1),
5 Min. vor Gottesdienst, alle Glocken, 
bei Heiliger Wandlung Glocke Nr. 3, 
beim Gang auf den Friedhof, alle Glocken
 
Wetterläuten:    Bei einem drohenden Gewitter wird mit der Glocke der Friedhofskapelle und
mit der Barbaraglocke Nr. 4 geläutet.


Ein gelungenes Meisterwerk im Kirchturm aus dem Jahre 1956
Der zweite Stundenschlag im Winter

Bei der Teilerneuerung des Kirchengeläutes im Turm der Pfarrkirche Menznau in den Dreissigerjahren wurde eine zusätzliche grössere Glocke in der Glockengiesserei in Aarau gegossen und mit Pferdezug nach Menznau transportiert. Diese grosse Glocke wurde mit Seilzug von Schülern auf den Kirchturm hochgezogen. Die Platzierung der Glocke verursachte wegen Mangel an Platz etwas Schwierigkeiten. So musste auch das Schlagwerk des zweiten Stundenschlages abgeändert werden. Dazu wurde ein Gestell mit zwei Kufen angefertigt, wo der Hammer hochgezogen und zum Schlagen fallengelassen wurde. Diese Einrichtung funktionierte soweit. Doch zeigten sich in kalten Winternächten Störungen wegen Eisbildung an den Gleitkufen. Diese Störung hatte zur Folge, dass das ganze Schlagwerk und das damit verbundene Uhrwerk auch still standen.

Dann musste der verantwortliche Kirchensigrist einen Handwerker zu Hilfe holen. So ergab sich, dass eines Morgens die Hilfe fehlte und dieser aufgeregte Mann bei mir anklopfte. Er bat mich, mit ihm die Störung zu beheben und erklärte mir, was sich seit Jahren in kalten Winternächten wiederholte und nur fraglich gelöst werden konnte. So behob auch ich diese Störung nur behelfsmässig. Als strebsamer junger Mechaniker hatte ich bald eine Vorstellung wie diese unglückliche Einrichtung geändert werden könnte und so ergab sich bald eine gute Idee. Dies bedingte, dass die geplante Änderung (Platzierung eines Schwinghebels für den Hammerschlag anstatt Gleitschiene) eine schmale Anpassung durch das hölzerne Traggestell der Glocken ausgeschnitten werden musste. Für die nicht leichte Arbeit konnte ich mich an den Holzfachmann Hans Korner wenden. Nach guter Beratung und Planung gingen wir ans Werk. Für mich wartete die Aufgabe der mechanischen Arbeit, anfertigen des Schwinghebels, anpassen und anbringen des Schlaghammers, anfertigen der Lagerung und der Auffangfederung, Montage der Teile und einstellen des Schlagwerkes. Der Probelauf ergab, dass das Werk sehr gut gelungen ist, was uns beide ausserordentlich freute. War doch diese Umbauarbeit ein Wagnis für mich jungen Mechaniker. Diese Einrichtung hat sich nun über 50 Jahre bewährt. Das Zeitschlagwerk erinnert mich viel an diese Arbeit für welche ich der Kirchgemeinde nur die Selbstkosten des aufgewendeten Materials verrechnete. Die gelungene Arbeit ging mir über alles.
Bericht von Hans Galliker